So nach und nach….

…kamen dann auch immer mehr „Mitspieler“- der Flurfunk funktionierte also damals auch in einer Handyfreien Zeit. Und manchmal war es richtig gut besucht auf dem Platz vor Sak ’s Haus – es war kein Gym im herkömmlichen Sinne, nur ein Sandplatz mit ’nem Galgen für den Sandsack. Es kamen Leute, mal mit mehr, mal mit weniger Erfahrung und wir clinchten und kickten – machten viel Sparring, meistens ohne Handschuhe mit offenen Händen – ein „Heidenspaß“. Zwischendurch fanden sich  auch richtig gute Kämpfer ein. Ich erinnere mich dabei sehr gerne an einen Kellner,-der nur kurz in seiner Pause rüber kam und mir eine Lektion im Muay Plam (Thai Clinch) erteilte – habe ich bis heute nicht vergessen. Er ließ mich also angreifen und ich versuchte ihn zu schleudern, runterziehen, etc. – aber nichts ging. Ich konnte ihn nicht bewegen, nicht einen Millimeter – und das obwohl ich ja nicht gerade ein Schwächling war. Nun, er veranschaulichte mir, daß dieses Spiel mehr mit Balance, Struktur, Sensitivität als mit roher Kraft zu tun hat. Also übte ich und lernte – auch aus den Fehlern, die mich rund um die Uhr beschäftigten. Das war wie früher bei den Raufereien in meiner Kindheit als es mal nicht ganz so rund lief für mich. Das sinnieren darüber war dann quasi die meditative Phase im gesamten Trainingsablauf.  Es gibt im Muay Thai, wie in anderen Kampfkünsten auch immer Leute, die auf einem Spezialgebiet glänzen. Wie „Narongnoi“, ein Boxer der Extraklasse, der aber auch auf dem Bau arbeitete und nach seiner Arbeit öfter rüber kam um mit mir das eine oder andere Trainingskämpfchen zu machen. Ich schreibe ganz bewusst nicht vom lockeren Sparring, weil mit „locker“ konnte er nicht so richtig was anfangen. Habe trotzdem viel gelernt, unter anderem durch viel einstecken – so daß ich mich dann irgendwann für all die Gaben auch revanchieren konnte, denn „Geben ist seliger denn Nehmen“(Alte Boxerweisheit). Habe von ihm sechs Kämpfe gesehen, die er alle vorzeitig durch KO (Faust) gewinnen konnte – sehr inspirierend…

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Erstes Muay Thai Training…

Heute sollte es also losgehen – mein erstes Muay Thai Training. Sak sah mir erstmal zu wie ich mich aufwärmte und drückte mir dann ein Springseil in die Hand. Nach etwa 15 min. dann Schattenboxen mit Betonung auf Knie – und Ellbogeneinsatz. Das gefiel mir und war neu für mich. Und nun Sandsack – erst Knietechniken, dann Kicks. Von meinen Darbietungen war er nicht so richtig begeistert – also hatten wir da ’ne richtige Baustelle. Meine Knie hatten zu wenig Hüfteinsatz und meine Kicks waren zwar schnell und klatschten schön laut, hatten aber zu wenig Power. Sak erklärte und demonstrierte es mir sehr eindrucksvoll per Lowkick am Sandsack und an meinem Oberschenkel. …Ui Djeb (Aua Schmerz) und nun hatte ich erstmal genug Zeit und Gelegenheit zu üben. Das ging dann eine Weile so – jeden Tag immer um 16 Uhr zwei, manchmal auch drei Stunden. Öfter mal gab er mir dann Aufgaben und ging dann eben mal weg um etwas anderes zu erledigen. Ich übte dann zwar allein, aber nicht unbeobachtet, das sah er dann ja auch an den Ergebnissen und hörte es auch von den Nachbarn. So sprach es sich allmählich rum, daß Sak einen Farang – also Ausländer – trainiert. Viel später realisierte ich, anhand seiner Techniken, daß er aus dem Muay Chaiya kam. Er war früher ein ziemlich erfolgreicher Kämpfer und hatte sehr viele Freunde, die ihn dann auch öfter besuchten – unter anderem um den verrückten Farang zu sehen. Einer von ihnen, ein Boxer aus Phang Nga „spielte“ dann auch mit mir und zeigte mir sehr eindrucksvoll (im wahrsten Sinne des Wortes) was denn so alles noch auf mich zukommen sollte. An dem Tag bekam ich auch eine Einführung in den Thai Clinch (Muay Plam), was mich bis heute enorm begeistert. Nach Trainingsende schenkte er mir seine Muay Thai Hose, weil ich ja so brav mitgespielt habe. Diese Hose trug ich dann bei meinem letzten Kampf im neuen Spanhin Stadium in Phuket Town. Tags darauf hatte er dann seinen letzten Kampf – er war schon 33 Jahre alt und hatte genug gekämpft. Den Kampf gewann er schon in der ersten Runde durch KO mit ’nem Ellbogen zum Kopf – super Ding und gut, daß er mit mir nur gespielt hatte…Freute mich schon auf den nächsten Tag mit Thai Clinch….

Wie alles begann…

Mein Vater war früher Boxer und so schenkte er mir die ersten Boxhandschuhe als ich vier Jahre alt war. Er gab mir immer wieder wertvolle Tips, weckte mich nachts auf um Muhammad Ali Kämpfe zu sehen. Mit sieben Jahren ging ich dann in einen Judoverein,angespornt durch einen Freund aus unserer Clique. Wir trainierten zusammen, rauften, stritten, vertrugen uns wieder und sammelten so jede Menge wertvoller Erfahrungen. Dann 10 Jahre später, also 1974 begann ich dann mit dem Karate, denn ich wollte unbedingt etwas mit Tritten lernen. Machte mir richtig Spaß und ich erwarb dann 1978 meinen 1. und 1980 meinen 2.Dan. In der Zeit von 1976 bis 1979 machte ich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Sport- und Gymnastiklehrer in Oldenburg und sammelte dort Erfahrung im Kyokushinkai Karate. Wir fuhren gelegentlich auch nach Holland zum Kämpfen, dort sah ich dann eine Kickbox Demonstration. Das fand ich so gut, daß ich meinen Plan eines Tages nach Japan zu reisen nochmal überdenken musste….Und dann sah ich einen TV-Bericht über Muay Thai. Wow! genau das war ’s, was ich schon immer wollte und somit gab es für mich nichts anderes mehr. Nach zwei Jahren Armee ging es dann am 2.März 1982 endlich los, da es in Deutschland zu der Zeit kein Muay Thai gab. Ein Seemann und Bekannter von mir, riet mir nach Phuket zu reisen. Am 3.März ’82 kam ich dann endlich in Bangkok an, die Flugzeugtür ging auf und…nein,keine Sauna- ich war in Thailand- endlich. Ich nahm dann auch gleich einen Anschlussflug nach Phuket, direkt mit einem Oneway Ticket ins Paradies….