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Neue Entwicklungen

Trotz des Barbetriebs kam das Training nicht zu kurz- Geld kam genug rein, so das ich meinen ursprünglich für ein Jahr geplanten Aufenthalt auf drei Jahre ausdehnen konnte. So trainierten wir dann in der gewohnten Weise jeden Tag zweimal. Auch Europäer und Australier kamen manchmal dazu. Ich erinnere mich gerne an einen Gast aus Frankreich, er trainierte „Savate“, das französiche Boxen und wollte gerne mit uns trainieren. Am nächsten Tag war er dann auch zum Training gekommen und wollte nun auch Sparring machen. Okay, no Problem- aber locker. Aber – hatte er wohl nicht so richtig verstanden, vielleicht war sein Englisch nicht ausreichend oder er verstand den Sinn des Sparrings nicht. Denn Sparring (Len Cherng) Len – Spielen, Cherng – Manöver bedeutet Manöver durchspielen, so daß man voneinander lernen kann. Nun, da er nunmal nicht spielen wollte, schaltete ich auch auf den weniger spielerischen Modus und brach ihm wohl aus Versehen(naja 🙂 die Nase. Seine Nase war sehr groß, quasi unmöglich zu verfehlen und dann wurde sie auch noch schief. Er kam nicht mehr wieder, auch nicht in meine Bar- schade eigentlich. Aber dafür kam ein derzeit berühmter Boxer aus Sukhothai. Er heißt „Dannappa“ und tingelte durch sämtliche Provinzen Thailands und gewann seine Kämpfe immer vorzeitig – genialer Boxer. Und nachdem er von dem fleißigen Farang, also mir, hörte kam er direkt in meine Bar und fragte mich: „You like Thaiboxing ?“ Ich dann: „Yes“  Er: „Okay, tomorrow you warm up with me“. Nächsten Morgen holte er mich ab und wir fuhren dann mit dem Motorrad nach Phuket Town, trainierten hinter einem Haus, wo auch andere Boxer wohnten. Vom Sehen kannte ich Sompong, Nop und Dui aus dem alten Spanhin Stadion, auch alles kernige Fighter. War mächtig stolz, daß sie mich akzeptierten und aufnahmen. Nachmittags trainierten wir dann gemeinsam  vor Sak’s Haus und Sompong arbeitete mit mir an den Pratzen. Er stellte sich mit dem Rücken zur Sonne, zu meinem Nachteil. D.h. er stopfte mir bei Deckungslücken( die er auch hervorrief) die Pratzen in Kopf und Körper, bis ich durch entsprechender Schrittarbeit meine Position zu meinem Vorteil änderte. Ein sehr lehrreiches Pratzensparring und so ging es weiter bis zu fast wettkampfmäßigen Trainingskämpfen in Phuket Town….

Neue Option….

Neben dem Platz vor Sak’s Haus ergab es sich gelegentlich, daß wir auf dem Platz im Seadragon, der Bungalowanlage, in der ich wohnte, trainierten. Lek, mein freundlicher Nachbar, ein ehemaliger Thaiboxer, zeigte mir sehr viel nützliche Strategien gegen größere Kämpfer. Denn  er selbst war ziemlich lang und hager, hatte sehr spitze, scharfe Ellbogen und Knie – also so ein knorriger , kantiger und knochiger Typ. Nun, im Laufe einer Sparringssession – nur mit Sandsackhandschuhen (weil wir keine anderen hatten) brachte er mir etwas über Ducken, Pendeln – also das Ausweichen (Gan Lob) bei. Was beim reinen Boxen wesentlich gefahrloser ist, muß das beim Muay Thai im Hinblick auf den speziellen Infight (Clinch, Knie, Ellbogen) etwas anders eingesetzt werden. Ich lernte das unter anderem, weil er mir bei meinem Abduckmanöver sein Knie auf ’s Näschen platzierte. Also Bruch der Nase und vorläufiges Ende der Session. Naja, so etwas prägt sich eben besser ein als bloße Theorie. Wir redeten viel und es hat sich mittlerweile eine super Clique gebildet, in der ich  auch Tim kennenlernte. Tim wurde dann meine erste Frau, d.h. wir haben richtig geheiratet und verstanden uns sehr gut – schöne Zeit. Nach einer  Weile beschlossen wir dann eine Bar zu eröffnen – jaaa, der Klassiker :-). Somit wurde ich der jüngste Barbesitzer unter den ersten zehn Bars in Patong Beach, aber vorher hatte ich genügend Zeit mir das nötige „Know How“ anzueigenen und mit der Erfahrung von Tim – sie war elf Jahre älter als ich, sprach „American English“ – und hatte jede Menge Erfahrung aus Bangkok während des Vietnamkrieges im Gepäck. Damit konnte kaum was schief gehen und so war es dann auch, der Laden lief gleich vom ersten Tag an. Wir hatten ’ne große Eröffnungszeremonie mit Mönchen und danach natürlich ’ne riesige Party. Und weil alles so gut lief, war die neue Option für mich, einfach länger zu bleiben. Denn ursprünglich hatte ich wegen meines finanziellen Budgets erst einmal ein Jahr ins Auge gefasst. Aber das war natürlich viel besser, zumal ich mich hier gleich wie zuhause fühlte. Nichts wirkte auf mich befremdlich und vom besagten „Kulturschock“ merkte ich auch nichts. Ich lernte die Sprache sehr gern und deswegen auch schnell. Und damit kamen dann auch neue Entwicklungen….

So nach und nach….

…kamen dann auch immer mehr „Mitspieler“- der Flurfunk funktionierte also damals auch in einer Handyfreien Zeit. Und manchmal war es richtig gut besucht auf dem Platz vor Sak ’s Haus – es war kein Gym im herkömmlichen Sinne, nur ein Sandplatz mit ’nem Galgen für den Sandsack. Es kamen Leute, mal mit mehr, mal mit weniger Erfahrung und wir clinchten und kickten – machten viel Sparring, meistens ohne Handschuhe mit offenen Händen – ein „Heidenspaß“. Zwischendurch fanden sich  auch richtig gute Kämpfer ein. Ich erinnere mich dabei sehr gerne an einen Kellner,-der nur kurz in seiner Pause rüber kam und mir eine Lektion im Muay Plam (Thai Clinch) erteilte – habe ich bis heute nicht vergessen. Er ließ mich also angreifen und ich versuchte ihn zu schleudern, runterziehen, etc. – aber nichts ging. Ich konnte ihn nicht bewegen, nicht einen Millimeter – und das obwohl ich ja nicht gerade ein Schwächling war. Nun, er veranschaulichte mir, daß dieses Spiel mehr mit Balance, Struktur, Sensitivität als mit roher Kraft zu tun hat. Also übte ich und lernte – auch aus den Fehlern, die mich rund um die Uhr beschäftigten. Das war wie früher bei den Raufereien in meiner Kindheit als es mal nicht ganz so rund lief für mich. Das sinnieren darüber war dann quasi die meditative Phase im gesamten Trainingsablauf.  Es gibt im Muay Thai, wie in anderen Kampfkünsten auch immer Leute, die auf einem Spezialgebiet glänzen. Wie „Narongnoi“, ein Boxer der Extraklasse, der aber auch auf dem Bau arbeitete und nach seiner Arbeit öfter rüber kam um mit mir das eine oder andere Trainingskämpfchen zu machen. Ich schreibe ganz bewusst nicht vom lockeren Sparring, weil mit „locker“ konnte er nicht so richtig was anfangen. Habe trotzdem viel gelernt, unter anderem durch viel einstecken – so daß ich mich dann irgendwann für all die Gaben auch revanchieren konnte, denn „Geben ist seliger denn Nehmen“(Alte Boxerweisheit). Habe von ihm sechs Kämpfe gesehen, die er alle vorzeitig durch KO (Faust) gewinnen konnte – sehr inspirierend…

Erstes Muay Thai Training…

Heute sollte es also losgehen – mein erstes Muay Thai Training. Sak sah mir erstmal zu wie ich mich aufwärmte und drückte mir dann ein Springseil in die Hand. Nach etwa 15 min. dann Schattenboxen mit Betonung auf Knie – und Ellbogeneinsatz. Das gefiel mir und war neu für mich. Und nun Sandsack – erst Knietechniken, dann Kicks. Von meinen Darbietungen war er nicht so richtig begeistert – also hatten wir da ’ne richtige Baustelle. Meine Knie hatten zu wenig Hüfteinsatz und meine Kicks waren zwar schnell und klatschten schön laut, hatten aber zu wenig Power. Sak erklärte und demonstrierte es mir sehr eindrucksvoll per Lowkick am Sandsack und an meinem Oberschenkel. …Ui Djeb (Aua Schmerz) und nun hatte ich erstmal genug Zeit und Gelegenheit zu üben. Das ging dann eine Weile so – jeden Tag immer um 16 Uhr zwei, manchmal auch drei Stunden. Öfter mal gab er mir dann Aufgaben und ging dann eben mal weg um etwas anderes zu erledigen. Ich übte dann zwar allein, aber nicht unbeobachtet, das sah er dann ja auch an den Ergebnissen und hörte es auch von den Nachbarn. So sprach es sich allmählich rum, daß Sak einen Farang – also Ausländer – trainiert. Viel später realisierte ich, anhand seiner Techniken, daß er aus dem Muay Chaiya kam. Er war früher ein ziemlich erfolgreicher Kämpfer und hatte sehr viele Freunde, die ihn dann auch öfter besuchten – unter anderem um den verrückten Farang zu sehen. Einer von ihnen, ein Boxer aus Phang Nga „spielte“ dann auch mit mir und zeigte mir sehr eindrucksvoll (im wahrsten Sinne des Wortes) was denn so alles noch auf mich zukommen sollte. An dem Tag bekam ich auch eine Einführung in den Thai Clinch (Muay Plam), was mich bis heute enorm begeistert. Nach Trainingsende schenkte er mir seine Muay Thai Hose, weil ich ja so brav mitgespielt habe. Diese Hose trug ich dann bei meinem letzten Kampf im neuen Spanhin Stadium in Phuket Town. Tags darauf hatte er dann seinen letzten Kampf – er war schon 33 Jahre alt und hatte genug gekämpft. Den Kampf gewann er schon in der ersten Runde durch KO mit ’nem Ellbogen zum Kopf – super Ding und gut, daß er mit mir nur gespielt hatte…Freute mich schon auf den nächsten Tag mit Thai Clinch….

Beginn einer lehrreichen Zeit…

So, und nun endlich angekommen – war ich überwältigt von der Schönheit dieses Ortes. Früher standen die Restaurants noch direkt am Strand vom Patong Beach. Nachdem ich dann in der Bungalow Anlage „Seadragon“ eingecheckt hatte, erkundete ich erstmal den Beach und Umgebung – sehr idyllisch. Mein Bekannter, der Seemann hatte nicht übertrieben. Nach einer mehrtägigen Aklimatisierungsphase ( knackiger Winter mit Minusgraden vs. Tropen mit über 30 Grad ) nahm ich dann so langsam das Training auf, begann mit Strandläufen, Schattenboxen, Kraftgymnastik ,etc…. Naja, während ich mich so langsam an die Temperaturen gewöhnte, entwickelten sich dann auch Gespräche in denen ich mein Vorhaben äußerte. Zunächst war man skeptisch – warum wollte der Ausländer Muay Thai lernen und auch noch kämpfen? Wegen des Geldes wahrscheinlich nicht. So lernte ich dann den Ex Thaiboxer „Padet“ kennen, der gutes Englisch sprach und Charly, einen schwedischen Seemann, der direkt neben „Sak“, meinem ersten Muay Thai Lehrer wohnte. Es war damals nicht so einfach als Ausländer von einem einheimischen Muay Thai Lehrer akzeptiert zu werden, wahrscheinlich war das respektlose Benehmen von Westlern während des Vietnamkrieges einer der Gründe. Nun, nachdem der Kontakt also hergestellt war, fuhren wir nach Phukettown, um Equipment zu besorgen wie Sandsack, Kickpads, Boxhandschuhe, Tiefschutz..etc. Nachdem wir dann den Galgen auf dem Platz vor seinem Haus aufgebaut und den Sandsack gehängt hatten, konnte es ja am nächsten Tag losgehen mit meinem ersten echten Muay Thai Training….